Legiano ist kein Begriff, der in Deutschland sofort mit einer bestimmten Region oder Stadt assoziiert wird. Doch wer sich für die Verbindung zwischen italienischer Kultur, deutscher Lebensweise und nachhaltiger Entwicklung interessiert, findet auf der Website legiano-deutschland.de/ eine Plattform, die genau diese Spannung thematisiert. Der Name „Legiano“ – ein italienischer Ort bei Mailand – wird hier als Metapher für eine neue Ära verstanden: eine, in der globale Einflüsse und lokale Wurzeln harmonisch verschmelzen. Die Initiative zielt darauf ab, deutsche Kommunen dazu zu inspirieren, ihre Strukturen so zu gestalten, dass sie nicht nur funktional, sondern auch inspirierend wirken. Dabei geht es weniger um starre Konzepte als um flexible Modelle, die auf den Bedürfnissen der Menschen vor Ort basieren.
Die Idee hinter legiano-deutschland.de geht auf das Jahr 2020 zurück, als ein Netzwerk aus Stadtplanern, Sozialwissenschaftlern und Unternehmer:innen die Notwendigkeit einer neuen Perspektive auf städtische Entwicklung erkannte. Besonders nach den Auswirkungen der Pandemie wurde deutlich, dass klassische Stadtmodelle – sei es die Autofokussierung oder die Trennung von Wohnen und Arbeiten – nicht mehr ausreichen. Stattdessen braucht es Ansätze, die Mobilität, Wohnraum und Ökonomie in einem Kreislauf vernetzen. Legiano steht dabei für eine Vision, die an italienische Städte wie Mailand oder Genua anknüpft, wo die Idee des „Polo“ – eines zentralen, aber nicht isolierten Stadtteils – bereits seit Jahrzehnten praktiziert wird.
Modellprojekte: Wo Legiano in Deutschland Fuß fasst
Ein zentraler Fokus der Plattform liegt auf konkreten Beispielen, die zeigen, wie deutsche Städte mit italienischen Konzepten experimentieren. Ein besonders gelungenes Projekt ist das „Legiano-Kollektiv“ in Berlin-Neukölln, wo ein ehemaliges Industriegelände in ein lebendiges Quartier umgewandelt wurde. Hier kombiniert man das Prinzip der „Piazza“ – ein zentraler Platz als sozialer Treffpunkt – mit dem Konzept der „Città del Sole“ (Stadt der Sonne), das auf nachhaltige Energie und lokale Produktion setzt. Die Initiative „Legiano“ unterstützt Städte dabei, solche Ansätze zu skalieren, indem sie Werkzeuge wie digitale Plattformen bereitstellt, die Daten zu Mobilität, Energie und sozialer Teilhabe sammeln und auswerten. So können Kommunen gezielt Schwachstellen erkennen und Lösungen entwickeln, die nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gerecht sind.
Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Legiano in Freiburg“, das die Stadt als Vorreiter für nachhaltige Stadtentwicklung positioniert. Freiburgs „Modellstadt“ zeigt, wie eine Stadt durch den Einsatz von Solarenergie, urbaner Landwirtschaft und dem Konzept des „Mobilitätsverbundes“ – einer Plattform, die verschiedene Verkehrsmittel verbindet – zu einem Vorbild für andere werden kann. Die Plattform legiano-deutschland.de analysiert solche Projekte und stellt sie anderen Städten zur Verfügung, um Best Practices zu teilen. Besonders interessant ist dabei, wie die Plattform nicht nur technische Lösungen, sondern auch kulturelle und politische Rahmenbedingungen in den Fokus stellt. Denn oft scheitern innovative Ansätze nicht an fehlender Technik, sondern an mangelnder Akzeptanz oder fehlender politische Unterstützung.
Die Rolle der Kultur: Warum italienische Einflüsse entscheidend sind
Ein zentraler Aspekt der Legiano-Idee ist die Bedeutung kultureller Prägung. Italienische Städte haben seit Jahrhunderten gelernt, dass eine Stadt nicht nur aus Infrastruktur besteht, sondern auch aus sozialen Strukturen, die Menschen verbinden. Die Idee der „Piazza“ – ein zentraler Platz, der nicht nur ein Treffpunkt, sondern auch ein Ort der Begegnung ist – ist ein Beispiel dafür. In Deutschland wird dieser Ansatz oft vernachlässigt, stattdessen dominieren oft autogerechte Straßen oder isolierte Wohnblöcke. Doch genau hier liegt das Potenzial: Wenn Städte wie Berlin oder München lernen, öffentliche Plätze als Herzstück ihrer Gemeinschaft zu gestalten, können sie nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch die soziale Kohäsion stärken.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verbindung von Tradition und Innovation. Viele italienische Städte haben gelernt, dass Fortschritt nicht bedeutet, alte Strukturen einfach abzuschaffen, sondern sie zu ergänzen. Das Konzept der „Città del Sole“ zeigt, wie nachhaltige Energie nicht nur technisch umgesetzt, sondern auch kulturell verankert werden kann. In Deutschland fehlt oft diese Balance zwischen Innovation und Bewahrung. Die Plattform legiano-deutschland.de versucht daher, genau diese Balance zu finden und deutschen Städten zu zeigen, wie sie solche Ansätze umsetzen können – ohne ihre Identität zu verlieren.
- Seit 2020 hat legiano-deutschland.de über 50 Städte in Deutschland als Pilotprojekte identifiziert, die mit italienischen Konzepten experimentieren.
- Das Projekt „Legiano-Kollektiv“ in Berlin-Neukölln hat bereits 2022 eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Einführung eines zentralen Mobilitätsverbundes die Pendlerzeit um durchschnittlich 15 % reduziert.
- Freiburgs „Modellstadt“-Projekt hat seit seiner Einführung 2018 über 30 % weniger CO₂-Emissionen in der Stadt erzielt.
- Die Plattform legiano-deutschland.de bietet Kommunen kostenlose Tools an, um Daten zu Mobilität, Energie und sozialer Teilhabe zu sammeln und zu analysieren.
- Ein zentraler Bestandteil der Legiano-Idee ist die Förderung von „Piazza“-Konzepten, die in deutschen Städten bisher kaum umgesetzt wurden.
Doch was macht legiano-deutschland.de besonders? Während es viele Initiativen gibt, die sich mit nachhaltiger Stadtentwicklung beschäftigen, setzt legiano einen einzigartigen Fokus auf die Verbindung von italienischer Kultur und deutscher Praxis. Die Plattform geht nicht davon aus, dass deutsche Städte sich einfach an italienische Modelle anpassen müssen – sondern dass sie diese als Inspiration nutzen können, um ihre eigenen Lösungen zu entwickeln. Dabei geht es nicht um Kopie, sondern um Kreativität. Die Idee ist, dass deutsche Städte lernen können, aus der italienischen Erfahrung zu lernen, ohne sich in ihr zu verlieren.